23. Dezember 2011

Nachricht

„Nun singet und seid froh“

Landessuperintendent Hans-Christian Brandy zum Weihnachtsfest

„Jauchzet, frohlocket“, „Jingle Bells“ oder „Alle Jahre wieder“. Zu Weihnachten hat die Musik Hochkonjunktur. Lieder und Klänge bestimmen unser Fest. Manchmal wird die Berieselung im Radio oder im Kaufhaus zu viel. Und doch: Ohne Musik wird es nicht richtig Weihnachten. Und oft verbinden sich ganze Erinnerungswelten mit Melodien und Liedern.

So sind zu Weihnachten Kirchen und Konzerte voll, längst nicht nur bei Bachs Weihnachtsoratorium. Aber der jubelnden Freude des mit fünf Paukenschlägen beginnenden Eingangschors „Jauchzet, frohlocket“ kann sich kaum jemand entziehen, sooft er sie auch hört. Diese Musik spricht uns in unseren tiefsten Gefühlen an. Aber ob wir nun gerne Bach hören, im Posaunenchor blasen oder zu „Last Christmas“ das Radio laut aufdrehen: Musik schafft innere Räume, in denen wir uns weit und frei fühlen. Sie ergreift uns noch einmal ganz anders, als Worte das können. Und so erreicht auch die Botschaft von Weihnachten viele Menschen durch die Musik.

„Gott hat einfach die bessere Musik“, sagt der Journalist Matthias Heine. Er erzählt, dass er wieder in die Kirche eingetreten sei, weil er gerade in der Musik gespürt habe, dass Gott ihm doch näher ist, als er gedacht habe. Manchmal habe er empfunden, Gott spreche zu ihm durch die Musik.

Zwischen Himmel und Erde schafft Musik Verbindung – und zwischen ganz unterschiedlichen Menschen. Sogar im Bundestag gab es ein großes Adventsliedersingen, an dem alle teilnahmen, vom Abgeordneten bis zur Reinigungskraft, von der CDU bis – tatsächlich - zu den Linken. Musik hat eine große verbindende und friedenstiftende Kraft, nicht nur zu Weihnachten.

Musik verbindet uns sogar mit den Engeln. Denn auch die Engel musizieren. Schon in der Weihnachtsgeschichte stimmen sie das Lob Gottes an: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden.“ In seinem bekanntesten Weihnachtslied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ legt Martin Luther dem Engel eindrückliche Worte in den Mund: „Ich bring euch gute neue Mär, davon ich singen und sagen will.“ Eine hohe Wertschätzung der Musik. „Singen und Sagen“ – das gehört zusammen, im Leben der Kirche, im Glauben der Menschen.

Darum feiern wir 2012 in der Evangelischen Kirche bundesweit das „Jahr der Kirchenmusik“. Unter dem Motto „Gottesklang“ werden wir es in unserer Landeskirche und auch hier im Elbe-Weser-Dreieck würdigen. Auf zahlreiche Konzerte, Feste und musikalische Gottesdienste können wir uns freuen. Und natürlich wird die weltweit einzigartige Orgelkultur, die wir hier haben, eine wichtige Rolle spielen. Die Musik gehört zum Besten, was wir in der Kirche haben. Grund genug, sie als wunderbares Geschenk Gottes ein Jahr lang besonders zu feiern.

„Nun singet und seid froh!“ Die Botschaft von Weihnachten drängt zum Gesang. Das Geschenk der Liebe Gottes in diesem Kind ist mehr, als Worte allein fassen können. Auch dieses Jahr gilt uns die Botschaft von Gottes Treue zu dieser Welt, die in der Geburt Jesu Christi ihren unüberbietbaren Ausdruck gefunden hat. Was in unserem Leben und in unsere Welt dunkel ist, muss nicht dunkel bleiben. Das hören wir - und viel besser: Das singen wir mit Martin Luthers Worten:

„Das ewig Licht geht da herein,
gibt der Welt ein’ neuen Schein.
es leucht‘ wohl mitten in der Nacht
Und uns des Lichtes Kinder macht.“
 

Landessuperintendent Dr. Hans Christian Brandy, Sprengel Stade