Hildesheim, 10. Juni 2012

Nachricht

EKD-Kulturbeauftragte Bahr: Kirchenmusik in ihrer Nachwuchsarbeit bedroht

Eine Millionen Menschen in Deutschland singen in Kirchenchören

Hildesheim (epd). Kirchenmusik und Chöre sind nach Ansicht der Kulturbeauftragten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Petra Bahr in ihrer Nachwuchsarbeit bedroht. Kirchen und Politiker dürften an der musikalischen Nachwuchsförderung in Schulen und Gemeinden nicht sparen, mahnte Bahr am Sonnabend anlässlich des ersten Musikfestivals der hannoverschen Landeskirche in Hildesheim. Unter dem Motto "Gottesklang" gestalteten rund 1.000 Musiker in der Innenstadt ein vielfältiges Programm als Teil des bundesweiten EKD-Themenjahres zur Kirchenmusik.

Dabei sei das kirchenmusikalische Angebot auf dem Land nicht zu unterschätzen, sagte die Theologin. In jeder Ortschaft stehe eine Kirche, in jeder zweiten Kirche singe ein Chor. Insgesamt beteiligten sich rund eine Millionen Menschen in Deutschland in Kirchenchören. "Das musikalische Angebot beider Kirchen gehört zu den tragenden Fundamenten unserer Gegenwartskultur." Dennoch fehlten schon vielerorts hauptberufliche Kirchenmusiker.

We shall overcome - win Lied gegen die Zustände dieser Welt

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister betonte in einem zentralen Gottesdienst vor rund 1.500 Menschen auf dem Hildesheimer Marktplatz die politische Wirkung von Musik. Lieder seien Zeichen von Widerstandskraft auf Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und Atomkraft und für den Frieden. Ein Beispiel dafür sei das Protestlied "We shall overcome" der US-Bürgerrechtsbewegung der 50er Jahre. "Ein Lied gegen die Zustände dieser Welt."

Zum Musikfestival "Gottesklang" waren nach Angaben der Organisatoren etwa 2.000 Menschen aus der Landeskirche von der ostfriesischen Küste bis zum südniedersächsischen Harz nach Hildesheim gekommen. Von klassischen Chorälen bis zu modernem Gospel, Jazz und Funk konnten sie in zwölf Stunden die ganze Bandbreite der Kirchenmusik erleben.

Ein Jahr Musik quer durch Deutschland

Mit dem Jahr der Kirchenmusik wollen die EKD und die Landeskirche auf das bevorstehende 500-jährige Reformationsjubiläum im Jahr 2017 hinweisen. Bundesweit sind unter dem Motto "366+1" Konzerte und Musikgottesdienste an jedem Tag des Jahres an einem anderen Ort geplant. Die Veranstaltungsreihe unter der Schirmherrschaft von Kulturstaatsminister Bernd Neumann startete im Januar in Bayern und zog dann durch den Süden und Westen Deutschlands nach Niedersachsen. Sie endet im Dezember in Sachsen.

In Hildesheim betreibt die EKD im mehr als tausend Jahre alten Michaeliskloster ihr bundesweites Kompetenzzentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst. Die Weltkulturerbestätte St. Michaelis beherbergt zudem seit 2004 das bundesweit einzigartige "Evangelische Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik". Ziel der Einrichtung ist es, traditionelle Formen des Gottesdienstes und der Kirchenmusik zu pflegen und neue Formen zu fördern.