Hannover/Düsseldorf, 10. Dezember 2011

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Zwischen Pop und Barock

Dieter Falk ist erfolgreicher Grenzgänger zwischen den Musikwelten

Hannover/Düsseldorf (epd). Er kann Karel Gott. Und Johann Sebastian Bach. Popstars und Kirchenchöre, Schlagerparade, Gospelmusik: Wer an den mehr als 50 Gold- und Platinalben im Düsseldorfer Vorstadthaus von Dieter Falk vorbeigeht, erlebt einen Schnelldurchlauf durch die deutsche Musiklandschaft. Über 20 Millionen verkaufte Tonträger von zwei Dutzend bekannten Interpreten hat Falk produziert. Er ist damit einer der erfolgreichsten Musikproduzenten der Republik - und zugleich einer der vielseitigsten.

"Ich mag Musik", sagt der jungenhaft wirkende Komponist und Arrangeur, der kürzlich 52 Jahre alt wurde. "Ich kenne da keine Grenzen." Katja Ebstein brachte er ebenso auf CD wie die Popgruppe Pur, DJ Ötzi, die TV-Girlgroup Monrose und die Altrocker von Nazareth ("Love hurts"). Auch schrieb Falk die Jubiläumshymne für Fußballmeister Borussia Dortmund.

Pop und Barock - für Falk sind das keine Gegensätze. Die verschiedenen "Spielarten derselben Sache" beherrscht er sowohl als Produzent als auch am Instrument: Mehrfach wurde der studierte Jazzmusiker als "Keyboarder des Jahres" ausgezeichnet. Spätestens seit sein Pop-Oratorium "Die 10 Gebote" durch Deutschland tourt und für ausverkaufte Hallen sorgt, ist sein Name auch unter Deutschlands Kirchenmusikern wieder wohlgelitten. Das Oratorium von Michael Kunze und Falk wird am 29. Januar auch in der TUI-Arena Hannover aufgeführt. Am 29. April des kommenden Jahres ist es dann in der Braunschweiger Volkswagenhalle zu Gast.

"Ich habe ganz schön Schelte bekommen", erinnert sich Falk an die 80er und 90er Jahre. Seine Vorliebe, Jazz- und Schlagerarrangements auch auf Klassik und Choräle anzuwenden, erschien vielen in Kirchen und Konservatorien als trivial, geradezu respektlos gegenüber den ehrwürdigen Vorbildern. "Dabei ist genau das Gegenteil der Fall", meint Falk. "Ich habe allergrößten Respekt vor den alten Meistern." Ohne das Werk von Bach hätte er selbst nie zur Musik gefunden, sagt das Multitalent.

"Aber das heißt ja nicht, dass man mit den Vorbildern nicht spielen darf", ist Falk überzeugt. Auch Bach sei seinerzeit eine Art musikalischer Revoluzzer gewesen. Spielfreude, experimentieren, Neues wagen, Grenzen durchbrechen: All das sei auch beim Meister der Barockmusik schon zu finden.

Und so eifert Falk dem Vorbild nach. Ob er nun Paul-Gerhardt-Choräle auf Popmusik pimpt ("A Tribute to Paul Gerhardt"; 2006), deutsches Volksgut verjazzt ("Volkslieder"; 2007) oder eben "Die 10 Gebote" mit 2.500 Sängern aus Kirchenchören, Orchester und Rockband auf die Bühne bringt - die von deutschen Feuilletons eifersüchtig bewachte Grenze zwischen E- und U-Musik, zwischen ernster und rein unterhaltender Muse, scheint für Falk nicht zu existieren. Und er verdient nach eigener Aussage nicht schlecht damit.

Danach hatte es anfangs nicht ausgesehen. Als blutjunger Musiker in der christlichen Szene war er seit den 70er Jahren Eingeweihten zwar durchaus ein Begriff. Falk spielte als einziger weißer Musiker mit Edwin Hawkins ("O happy day"), produzierte die Sängerinnen Inge Brück und Katja Ebstein ("Künstler für Christus"). Als fest angestellter Produzent eines christlichen Musikverlags und Autor für Fachzeitschriften hatte er sich in der Szene einen Namen gemacht. Nur: "Leben konnte man davon mal so gerade", erinnert sich Falk. Außerdem fühlte sich er damals gefangen: "Es gab zu der Zeit einfach kein Weiterkommen in der christlichen Musik. Alles schien festgefahren."

Falk wagte den Sprung und machte sich selbstständig. Obwohl ihm mancher Weggefährte Düsteres über "die Welt da draußen" vorhergesagt hatte, fiel er sofort auf die Füße. Erfolge wie mit Pe Werner ("Dieses Kribbeln im Bauch") und in den 90ern dann vor allem mit den Millionenhits der von ihm produzierten Popgruppe Pur ("Lena", "Ein graues Haar") begründeten seinen Ruf als Meister eingängiger Melodien und gefälliger Arrangements. TV-Auftritte als Juror bei der Pro7-Sendung "Popstars" 2006 und 2007 machten Falk dann auch einem breiten Publikum bekannt.

Der Kirche war Falk lange Zeit "zu bunt, zu poppig". Einmal habe ein Pastor ein Konzert von ihm abgebrochen, "weil die Leute zu tanzen anfingen", erzählt er. Mittlerweile ist er als ausgewiesener Musikexperte für den säkularen Bereich ein begehrter Gast der Kirchen. Ob Staatsempfang, Poporatorium oder demnächst wohl auch das Reformationsfest 2017 - als Musiker, Komponist und Produzent ist Falk mittlerweile eine Art musikalisches Aushängeschild der evangelischen Kirche.